Sachsen-Anhalt und das Anreizparadox der Brandmauer

Shownotes

In dieser Folge nehme ich die sogenannte Brandmauer gegen die AfD unter die Lupe – nicht aus politischer, sondern aus anreiztheoretischer Sicht. Ich zeige, wie der Ausschluss einer Partei paradoxerweise das Gegenteil dessen bewirken kann, was beabsichtigt ist, und warum Protestwähler gerade durch diese Strategie erst recht mobilisiert werden. Anhand aktueller Wahlergebnisse und klassischer Theorien erfährst du, wie individuelle und kollektive Rationalität kollidieren und was das für Politik, Unternehmen und Führungskräfte bedeutet. Du erfährst, wie psychologische Mechanismen wie Reaktanz eine ausgegrenzte Position stärken können. Lass uns gemeinsam herausfinden, wie wir aus diesen Mustern lernen und sie im Alltag anwenden können – weit über die Politik hinaus.

Im Format "Homo Incentivus" analysiert Prof. Dr. Thomas Glökler aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklungen aus der Perspektive von Anreizen und Verhaltensökonomie. Stets mit Learnings für Unternehmer, Geschäftsführer und Führungskräfte!

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00:00:00: Herzlich willkommen bei Humo in Zentemursch.

00:00:01: und in dieser Folge schauen wir uns mal die politische Brandmauer gegen die AfD an.

00:00:07: Und analysieren sie auf die Anreizwirkung hin.

00:00:10: also ganz, ganz wichtig.

00:00:12: es geht mir hier nicht drum wie viele andere hier irgendeine politische Meinung kund zu tun sondern es geht wirklich darum was können wir aus anreiz theoretischer Sicht aus dieser Konstruktion der brandmauer lernen?

00:00:26: Das ist ziemlich viel.

00:00:28: Ja vor einer Woche hat Sachsen-Anhalt gewählt, wir alle kennen das Ergebnis.

00:00:33: Die AfD hat die absolute Mehrheit hier knapp verfehlt aber sie ist so stark dass rechnerisch alle anderen Parteien qualieren müssten und das ist ja schon ein sehr breites Spektrum um die AfD hier draußen zu halten.

00:00:46: Und genau das war ja bisher auch die übliche Reaktion dieser Parteien und das ist jetzt natürlich ziemlich schwer, nämlich diese Brandmauer aufrechtzuerhalten.

00:00:55: Die gibt es schon seit vielen Jahren und trotzdem wird die AfD vielleicht auch gerade deshalb immer stärker.

00:01:04: Und genau dieses Paradox wollen wir uns heute mal anreiztheoretisch vornehmen, weil es schon sehr interessant ist welche Anreize hier vorhanden sind und in welche Richtung sie dann auch wirken.

00:01:16: Da steckt viel drin was weit über die Politik hinaus reicht und was auch zum Beispiel für jede Führungskraft und für den Unternehmer von hoher Relevanz ist.

00:01:24: Aber fangen wir mal mit der Grundfrage an wenn wir das Anreiz theoretisch untersuchen wollen und zwar beim einzelnen Wähler, der hier ins Wahllokal geht.

00:01:36: Was wirken denn hier für Anreize?

00:01:38: Was ist denn hier so eine Wahlentscheidung von diesem Wähler eigentlich aus anreiz theoretischer Sicht?

00:01:45: Und hier gibt es eine grundlegende Arbeit die das Paradox des Wählens beschreibt.

00:01:49: Das ist eine Arbeit aus dem Jahr nineteenund fünfzig also schon ein bisschen alt.

00:01:54: und ja was genau ist dann jetzt dieses Paradoxes des Wellens?

00:01:59: Ja, das besagt folgendes.

00:02:01: Wenn wir uns jetzt mal hier in unsere Lage als Wähler reinversetzen und wir treffen die Entscheidung hier zum Wahllokal zu gehen dann ist es insofern paradox weil die eigene Stimme wird das Wahlergebnis nicht beeinflussen.

00:02:15: also die Wahrscheinlichkeit dass ausgerechnet deine einzelne Stimme für eine Mehrheit verantwortlich ist oder dass ne Partei die fünf Prozent Hürde schafft Die ist bei Millionen Wahlberechtigten praktisch null.

00:02:30: Er ist praktisch null und rein ökonomisch betrachtet würde es bedeuten, dass wir eigentlich uns die Mühe sparen könnten hier überhaupt wählen zu gehen.

00:02:38: wenn man das allein nur am erwarteten Nutzen messen würde ja dann dürfte eigentlich kaum jemand wählen gehen weil der erwartete Nutzen der is nahe Null ganz einfach weil meine Stimme wird mit sehr sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausschlaggebend sein.

00:02:54: Und trotzdem und das ist ja auch super, haben wir hohe Wahlbeteiligung.

00:02:58: Menschen gehen massenhaft zur Wahl.

00:03:02: Wie kann das jetzt hier erklärt werden?

00:03:04: Weil eigentlich macht es rein ökonomisch betrachtet keinen Sinn zur Wahl zu gehen weil wir kein Einfluss haben.

00:03:09: Das kann man aber erklären durch eine andere Theorie nämlich die Theorie des expressiven Wellens Und die besagt, dass eine Stimme eben nicht nur ein Werkzeug ist um ein bestimmtes Ergebnis also einen Wahlergebnis dann herbeizuführen.

00:03:22: Weil dafür tatsächlich ist diese eine Stimme im Prinzip wirkungslos es ist vielmehr ein Ausdrucksmittel.

00:03:30: und das kann man sich so vorstellen wenn du ins Fußballstadion gehst und hier deine Mannschaft anfeuerst Dann hat deine Anwesenheit ja wahrscheinlich auch überhaupt kein Einfluss drauf ob die Mannschaft jetzt gut spielt oder nicht Ob sie gewinnt oder verliert wird sich im Ergebnis höchstwahrscheinlich nicht widerspiegeln.

00:03:49: Aber deshalb gehst du ja auch nicht ins Stadion, sondern du gehst in Stadionen quasi als Ausdrucksmittel also du verleihest der tatsache Ausdruck dass du Fan der Mannschaft bist.

00:04:00: Du zeigst dadurch deine Zugehörigkeit und das gilt hier auch für Swellen.

00:04:03: Also die Idee ist hier man wählt um zu zeigen Ja im Prinzip wer man is Und aber auch was man ablehnend und nicht weil man die Konsequenzen der eigenen Stimme trägt, denn diese Konsequenten trägt am Ende ja ohnehin die Gesamtheit aller Stimmen.

00:04:19: Also die Gemeinschaft zusammen und nie der Einzelne.

00:04:22: Ja also es müsste immer alle mit dem Wahlergebnis leben und das muss nicht eine einzelne Person die Kesequenz tragen.

00:04:28: Es wird gleich noch wichtig!

00:04:31: Und jetzt sehen wir aber auch dass an dieser Stelle die Brandmauer so wie sie konstruiert ist und zu gut sie auch gemeint ist zum Verstärkerwirt statt zu einer Bremse.

00:04:42: Und es hat auch einen Beitrag aus dem Jahr zwei Tausend Sieben gezeigt über den Mythos des rationalen Wellens, dass nämlich Menschen an der Wahlurne systematisch andere Präferenzen zeigen als in Entscheidungen bei denen sie selbst zu hundert Prozent die Kosten tragen.

00:04:58: und zwar deshalb weil genau diese persönliche Kostenlosigkeit hier im Anführungszeichen der eigenen Stimme jede Schranke der Selbstdisziplin aufhebt.

00:05:07: Im echten Leben hätte ich die ganz automatisch, wenn ich zum Beispiel eine Entscheidung treffe über meine Geldanlage oder über meine eigene Jobwahl.

00:05:14: Ob ich jetzt einen Job wechsle oder nicht?

00:05:16: Dann muss ich mit den Konsequenzen meiner Entscheidungen zu hundert Prozent leben!

00:05:20: Ich muss sie dann quasi ausbaden im positiven wie negativen.

00:05:23: Das gilt aber hier an der Wahlurne nicht und man nennt das Rationali Irrationalität weil es völlig rational ist sich an der Wohlrunde Position zu leisten die man vermutlich niemals hätte, wenn man persönlich zu hundert Prozent dafür gerade stehen müsste.

00:05:42: Und das gilt natürlich vor allem auch für Protestwähle.

00:05:44: und hier kommt die Brandmauer ins Spiel und zwar in der Rolle, die so öffentlich überhaupt nie betrachtet und diskutiert wird.

00:05:53: Denn wenn von vornherein feststeht dass eine Partei niemals in Regierungsverantwortung kommen wird ganz gleich wie stark sie wird außer natürlich eigentlich die absolute Mehrheit was ja jetzt bei der letzten Wahl in Sachsen-Anhalt durchaus möglich gewesen wäre dann sieht das natürlich anders aus, aber wenn es nicht so ist.

00:06:09: Wenn man da ein Stück weit davon entfernt ist, dann trägt man als einzelner Wähler natürlich nicht nur weiterhin keine Verantwortung für einen Wahlausgang Man trägt jetzt auch überhaupt kein Risiko mehr tatsächlich mit dieser Entscheidung dann auch leben zu müssen also mit dieser Partei die dann regiert.

00:06:28: und das bedeutet wenn ich mir sicher bin dass ich hier überhaupt keine Konsequenzen tragen muss Dann kann ich natürlich auch das lauteste Protest-Signal setzen, dass es überhaupt gibt.

00:06:38: Dass man jetzt eben gerade passend erscheint weil ich hier der Politik vielleicht ein Denkzettel verpassen will.

00:06:43: Ich kann da sicher sein die anderen Parteien bekommen diesen Denkkzetteln aber trotzdem werden sie alles tun um dieses Wahlergebnis dann schon aufzufangen dass diese Brandmauer quasi herhält Weil Sie es ja durch diese Brandmauer aus Prinzip schon auffangen müssen und dadurch Anreiz theoretisch wirkt diese Brandmauer auf diese Protestwähler wie eine Versicherung gegen die eigene Wahlentscheidung, weil sie einfach das wahrgenommene Risiko des Protests auf Null senkt.

00:07:15: Und genau diese Versicherung ist dadurch natürlich anreiztheoretisch betrachtet für ein Protestwäler eine Einladung zum Maximalprotest und eben nicht zur Messigung.

00:07:24: Das haben offensichtlich viele Politiker noch nicht verstanden.

00:07:27: also wenn Friedrich Merz sagt wählt nicht die AfD die Stimme ist sowieso verloren Dann muss man sich ja natürlich fragen, ist es vielleicht genau das was viele Welle auch wollen?

00:07:36: Die wollen gar nicht dass diese Stimme hier irgendwie nicht verloren ist.

00:07:39: Sie sind damit fein dass die Stimme verloren ist weil sie hier sozusagen in Anführungszeichen kostenlos ihren maximalen Protest kund tun können.

00:07:49: und man hat ja auch gesehen dass das offensichtlich so nicht funktioniert.

00:07:53: und jetzt muss man natürlich auch sehen dass diese Brandmauer Mechanik wie sie konstruiert ist keine neue Erfindung ist.

00:08:00: Die gab's auch früher schon, zum Beispiel in den neunziger Jahren in Belgien.

00:08:04: Auch dort wurde eine rechtsextreme Partei ausgegrenzt die aber dann noch immer stärker gewachsen ist.

00:08:09: und das sollte ja eigentlich eine Warnung sein dass so eine reine Ausgrenzungsstrategie ihre Wirkung hier verfehlt oder sich sogar ins Gegenteil verkehrt wenn man die dahinter liegenden Anliegen der Wähler nicht ernsthaft bearbeitet.

00:08:25: Und offensichtlich besteht das Gefühl von vielen Wählern, dass die Anlieger... also warum ich jetzt die wähle?

00:08:32: Da steckt ja ein Anliegend dahinter und das wird offensichtlich aus Sicht von vielen Wählern überhaupt nicht richtig adressiert von den anderen Parteien.

00:08:40: Dann kommt hier noch ein zweiter Mechanismus hinzu nämlich die sogenannte psychologische Reaktanz.

00:08:46: Also wenn Jetzt hier eine Option demonstrativ als verboten erklärt wird, also verboten ist es ja jetzt de facto nicht.

00:08:55: die AfD zu wählen, aber sag mal moralisch verboten so will ich es mal nennen oder irgendwie für unantastbar und unwählbar erklärt wird.

00:09:04: Dann steigt gerade dadurch natürlich auch die wahrgenommene Attraktivität.

00:09:08: ja und das sagt diese psychologische Reaktanz aus also wie ein Buch dass plötzlich viel interessanter wirkt sobald's verboten wird.

00:09:15: oder wenn man den Kindern verbietet hier eine Sendung im Fernsehen zu schauen dann wird diese Sendung natürlich gerade interessant.

00:09:22: Und das führt dann natürlich auch zum erhöhten Zuspruch von dieser verbodenden Option, weil die Menschen das so ein bisschen als Verlust von Wahlfreiheit dann auch interpretieren und auch als Betrugung empfinden.

00:09:35: Und ja an eben genau gegenteilig reagieren, als die anderen Parteien das erwarten würden wenn sie solche Dinge aussprechen, dass es sich nicht gehört die AfD zu wählen oder dass das ganz furchtbar ist Führt offensichtlich nicht dazu, dass der Zuspruch dadurch geringer wird und das lässt sich mit diesem Prinzip der Reaktanz erklären.

00:09:58: Und wenn man natürlich dazukommt oder die AfD macht es ja durchaus geschickt, dass man sich dann noch so ein bisschen inszeniert als wir werden ausgegrenzt von den da oben von den Altparteien und auch da gibt's ja so ein gewisses Vokapular, dass der immer wieder zum Einsatz kommt.

00:10:13: Dann wird dieser Mechanismus natürlich noch verstärkt und immer dann wenn jetzt die anderen Parteien jetzt hier wieder zur Brandmauer stehen und dann wieder Statements von sich geben an dieser Brandmau festzuhalten kommen was wolle ohne sich sozusagen mit der Politik an sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen dann ist das natürlich umgekehrt auch wieder ein Beweis dieser Erzählung und diese Inszenierung der AfD ausgegrenzt zu werden, was diesen Effekt natürlich auch weiter verstärkt.

00:10:44: Und das ist jetzt natürlich wirklich ein großes Dilemma weil natürlich gibt es gute Gründe für die anderen Parteien so zu reagieren wie sie reagieren.

00:10:53: also das ist ja ganz klar dass die anderen Partei nicht mit einer vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremen eingestuften Partei zusammenarbeiten wollen, geschweige denn koalieren wollen.

00:11:06: Das ist natürlich absolut nachvollziehbar.

00:11:10: die Frage ist jetzt hier aber ist der aktuelle Mechanismus also die Art und Weise wie die Brandmauer gestaltet ist und wie sie kommuniziert?

00:11:19: ist das ja die richtige Vorgehensweise.

00:11:22: Denn das Grundproblem von diesem Ansatz liegt darin dass eine Partei die niemals Verantwortung übernehmen muss Natürlich auch nie mit der Realität konfrontiert wird.

00:11:36: Also die AfD kann natürlich kritisieren und bisher kritisiert sie, natürlich auch nur macht Vorschläge wie alles besser und schöner und anderswird.

00:11:47: Sie muss sich aber nie der Realitätsstellen.

00:11:49: also Das ist ja genau hier der Mechanismus, der Brandmauer.

00:11:53: es folgt nie in Realitätstest.

00:11:55: Sie muss also ihre Versprechen hier nie in Einklang bringen mit den echten Zwängen der Politik in der Realität Haushaltszwängen zum Beispiel.

00:12:04: Man kann nicht alles finanzieren, was man gerne möchte.

00:12:06: ich habe einen Koalitionspartner der die Dinge anders sieht wo ich nicht alles durchsetzen kann.

00:12:11: es gibt vielleicht auch dann Streit darüber wer es jetzt hier zuständig ist Bund Länder und so weiter.

00:12:16: also das ist ein hochkomplexes Gebilde in dem Ich mich hier bewege wo ich auch viele Ketten hab.

00:12:22: aber das Problem ist eine Partei hinter der Brandmauer hat diese Ketten nicht weil sie es nie beweisen muss.

00:12:29: Und natürlich kann man jetzt sagen, ja wir wollen auch gar nicht dass überhaupt die Möglichkeit bekommen das zu beweisen, weil es viel zu gefährlich ist.

00:12:36: Ja da magst du natürlich gute Argumente dafür geben aber dann muss man natürlich auch damit leben, dass man hier permanent dieser Partei einen Wettbewerbsvorteil gibt.

00:12:45: Weil das ist nichts anderes als ein Wett-Bewerbsvorteil.

00:12:49: Also eine Partei die niemals Verantwortung übernehmen muss.

00:12:51: Die muss ihre Versprechen hier natürlich auch niemals beweisen.

00:12:56: Die AfD bleibt damit immer unbelastet von diesen Realitätszwängen, während die anderen Parteien sich hier permanent daran abarbeiten müssen dann ein zwangsläufig natürlich auch Fehler machen.

00:13:07: ja wenn man die Verantwortung trägt macht man Fehler, man muss Kompromisse eingehen und dadurch enttäuscht man natürlich auch Wähler.

00:13:15: insofern ist das eine strukturelle Asymmetrie und die verschafft der AfD hier einen permanenten Wettbewerbsvorteil weil sie hier ihre Aussage und Vorschläge nie in der Praxis beweisen muss.

00:13:27: Und das muss einem einfach bewusst sein, wenn man diese Brandmauer konstruiert.

00:13:33: Wir kommen gleich auf die Übertragung zum Führungsalltag.

00:13:36: aber es lohnt sich noch einen Blick auf die etablierten Parteien selbst ja auf dieses Dilemma, weil das ist wirklich gar nicht so einfach!

00:13:42: Man kann jetzt natürlich auch sagen, die anderen Parteien machen hier alles falsch.

00:13:46: Das könnte man viel besser lösen.

00:13:48: Aber man muss sich natürlich bewusst sein was hier für Anrei zu wirken.

00:13:54: Und kurzfristig ist die Brandmauer für die CDU, die SPD, die Grünen und die Linken natürlich eine ganz bequeme Lösung weil sie hält die eigene Kernwählerschaft bei der Stange.

00:14:07: Die Kernwährlerschaft auch wenn Sie ja jetzt schmilzt.

00:14:11: aber die Kernwälerschaft will ja keine Zusammenarbeit mit der AfD.

00:14:14: Die wollen an der Brandmower festhalten.

00:14:17: Unentsprechend wäre das Risiko natürlich hier sehr, sehr hoch.

00:14:21: Dass man diese Wellerschaft verärgern und auch verkraulen würde wenn man jetzt die Brandmauer aufweichen würde.

00:14:30: Und und das kommt noch dazu, man vermeidet damit natürlich auch kurzfristiges Risiko hier dafür verantwortlich gemacht zu werden erstmals mit einer rechtsradikalen Kraft hier zusammenzuarbeiten.

00:14:41: Und genau das ist ja die Angst, dass man dafür quasi historisch verantwortet wird der AfD hier das Tor zur Macht sozusagen zu öffnen Und das ist kurzfristig gesehen natürlich auch völlig rational, deshalb an dieser Brandmauer festzuhalten.

00:14:56: Aber genau diese kurzfristige Sichtweise steckt jetzt hier in einem offenen Konflikt mit dem was die Brandbau ja eigentlich auch erreichen will nämlich ein Rückgang des Zuspruchs für die AfD.

00:15:08: und das passiert ja eben nicht.

00:15:09: im Gegenteil Und das ist ökonomisch gesehen ein klassisches Beispiel für einen Konflikt zwischen individueller und kollektiver Rationalität.

00:15:18: Wir haben hier so ein bisschen gefangenen Dilemma, weil für jede einzelne Partei ist es rational an der Brandbauer festzuhalten solange die Anderen auch tun, weil ein einseitiges Abrücken den größten Teil der eigenen Stammwälder schafft posten würde und das Image natürlich maximal leiden würde.

00:15:36: Aber genau diese individuelle rationale Strategie aller beteiligten Parteien kann in der Summe ein kollektiv unerwünschtes Ergebnis erzeugen, und genau dieses unerwinste Ergebnis sehen wir ja gerade im Sachsen-Anhalt und eben allgemein an der wachsenden Zustimmung der AfD.

00:15:53: also das ist alles andere als einfach.

00:15:56: und was heißt es jetzt für dich als Unternehmer oder Führungskraft?

00:15:59: Was können wir daraus mitnehmen?

00:16:02: Und das ist auch hier eine Menge, denn dieselbe Anreizstruktur wie bei der Brandenauer begegnet uns auch sehr häufig in Organisationen.

00:16:10: Weil in jeder Organisation gibt es so ein Querulant im Team, der alles besser weiß aber nie beweisen muss dass seine Vorschläge tatsächlich in der Umsetzung funktionieren.

00:16:22: und wenn das der Fall ist Wenn sich so ein Querulant hier nie beweisen muss dann wird er sich genau nach dem selben Muster verhalten wie jetzt die AfD.

00:16:31: Denn dann wird dieser Quirulant im Team nicht eine abgewogene, realistisch umsetzbare Präferenz äußern.

00:16:38: Also hier Vorschläge die dann auch wirklich der Realität standhalten sondern natürlich das radikalste Signal dass ihm am meisten Gehör verschafft weil er ja genau weiß dass es ohnehin nicht umsetzen muss.

00:16:51: wenn ich wüsste okay es besteht die Gefahr dass man sagt Ja!

00:16:56: Ich halte den Vorschlag zwar für absoluten Blödsinn aber sicher bin mir auch nicht Zeig es doch mal, wir testen das jetzt mal im Quartal und ein halbes Jahr.

00:17:05: Wenn ich also dieses Risiko eingehe dann werde ich auch keine Realitätsferne Vorschläge äußern Und das hin führungskräfte häufig gar nicht.

00:17:14: als dieses fehlend von echter Konsequenz in dem man diesen Queroland so bisschen ausgrenzen sagt er ist ein Spinner hier dass das dann erst diese Zuspitzungen erzeugt und das ist aber gefährlich.

00:17:28: Also diese Ausgrenzung Ohne Auseinandersetzungen, das ist hier das gefährliche.

00:17:33: Wer hier also so ein unbequem Mitarbeiter kategorisch für Tabu erklärt ohne die dahinterliegenden Sorgen ernsthaft zu adressieren und zu bearbeiten der riskiert nach diesem Reaktanzmechanismus dass diese in Anführungszeichen verbotene Sichtweise dieses Tabu in der Wahrnehmung der Belegschaft an Anziehungskraft gewinnt Dann wird darüber hinter vorgehaltener Hand diskutiert in der Kaffeeküche, im Flurfunk usw.

00:18:02: Dadurch erhält diese Sichtweise mehr Raum als sie eigentlich verdient hätte.

00:18:08: und jetzt ist natürlich klar eine Führungskraft muss mitunter natürlich klare rote Linien ziehen und bestimmte Werte verteidigen, andere ausschließen.

00:18:16: Seien das jetzt wie gesagt so eine Werte sein, dass Geschäftspraktiken

00:18:20: etc.,

00:18:21: das ist legitime Führung.

00:18:22: Das ist keine Schwäche, das ist legitime Führungen.

00:18:25: aber diese Art der Abgrenzung sollte niemals auch gleichzeitig ne Ausgrenzung von Gehör bedeuten.

00:18:32: also das heißt wir müssen nach abweichen Kritik oder einer anderen Idee auch eine reale Chance geben nicht nur gehört zu werden, sondern vielleicht auch in den begrenzten Ausmaß an der Wirklichkeit gemessen zu werden.

00:18:46: Weil nur dann entfaltet sich dieser disziplinierende Mechanismus, der hier vor Übertreibungen und unrealistischen Versprechung schützt weil die dann entlauft werden.

00:18:57: Und genau dieser Mechanismus fehlt wenn eine Position permanent draußen bleibt ohne jemals einem echten Budget gemessen zu werden oder an einer echten Deadline oder an der echten Kundenreaktion.

00:19:08: Also und das können wir mitnehmen, wenn es solche kritischen Stimmen gibt im Unternehmen dann gibt denen wo's immer auch vertretbar ist ein zeitlich und vom Budget klar begrenzten Verantwortungsbereich in dem sich diese Vorschläge dann beweisen müssen an messbaren Ergebnissen.

00:19:24: also das heißt auf der einen Seite nicht komplett blockieren und so als Spinner darstellen diese Meinung gar nicht mehr hören und abhügeln, aber auch nicht unbegrenzt Einfluss einräumen.

00:19:36: Das ist auch wichtig!

00:19:37: Nicht unbe grenzten Einflüsseinräumen sagen ja probiert es mal aus macht was er will sondern im begrenzten Rahmen.

00:19:43: und das kann zum Beispiel dann bedeuten diese Idee einmal ein Quartal auszuprobieren mit dem abgegrenzten Budget und dann den Erfolg zu messen und zu evaluieren.

00:19:52: Und das ist viel besser als die Diskussion Jahr für Jahr im Grundsätzlichen zu wiederholen.

00:19:57: Das schwebelt dann so unter der Oberfläche, wird dann irgendwann zum Flächenbrand und so ein konkretes Ergebnis von so einer Testphase.

00:20:04: wo immer es möglich ist beendet solche Grundsatzdebatten meistens viel viel wirksamer als jedes Meeting darüber.

00:20:11: Und dann ist es natürlich auch ein Kommunikationsthema.

00:20:13: Also ist hier wichtig, wenn du merkst okay... Es gibt ja gewisse Protestsignale im Unternehmen, dass man sich nicht allein auf eine gewisse Ausgrenzungsstrategie verlässt sondern dass man zum Beispiel hier eine offene Fragerunde mit Führungskräften anbietet, zum kritisierten Thema.

00:20:29: Und nicht einfach nur eine E-Mail schreibt in dem man das irgendwie abhügelt und um Verständnis spittert.

00:20:34: Das wird sicherlich den Brandnicht löschen!

00:20:36: Denn – und das zeigt da das Beispiel jetzt gerade auch im Sachsen-Anhalt – wächst so eine ausgegrenzte Position oder eine Position wo man sich ausgegrenzt fühlt?

00:20:44: Ja, das ist ja häufig auch ein Gefühl der Ausgrenzung.

00:20:47: Die wächst häufig dann weiter wenn die Anhängerschaft hier einen Eindruck hat Die eigentliche Botschafter hinter interessiert niemanden.

00:20:55: Das muss man eben adressieren!

00:20:58: Also, man sieht das ist eine ganz verzweckte Lage.

00:21:02: Wir sind gespannt wie es hier weitergeht.

00:21:04: Wenn dir diese Perspektive auf aktuelle Entwicklungen weiterhilft dann abonnier gerne den Kanal da würde ich mich sehr freuen Gebt auch einen Daumen nach oben und schreibt gern auch ein Kommentar.

00:21:14: Und wenn du Unterstützung brauchst im Bereich Anreizsysteme Leistungskultur.

00:21:20: Anschau gerne auf meine Homepage in den Show notes verlinkt, thomasglöckler.com Glöcklar mit oe und nur mit kv ganz wichtig und da findest du alles weitere was du benötigst.

00:21:31: wirklich sehr freuen ja dann freue ich mich auch auf die nächste Folge.

00:21:34: bis zum nächsten mal.

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