Das Problem der Bedarfswehrpflicht: Was Unternehmen von der Bundeswehr lernen müssen
Shownotes
Die Wehrpflicht ist derzeit ausgesetzt, doch eine mögliche Bedarfswehrpflicht steht im Raum. In dieser Folge schaue ich darauf, warum eine Zwangsoption im Hintergrund mehr kosten kann, als sie einbringt. Außerdem zeige ich, was Unternehmen daraus lernen können.
Im Format "Anreizkompass" analysiert Prof. Dr. Thomas Glökler aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklungen aus der Perspektive von Anreizen und Verhaltensökonomie. Stets mit Learnings für Unternehmer, Geschäftsführer und Führungskräfte!
🔗 Mehr von Prof. Dr. Thomas Glökler: [https://thomasgloekler.com](https://thomasgloekler.com)
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Anreizkompass, freue mich auf die neue Folge.
00:00:03: Und heute schauen wir uns die Bedarfswerbpflicht an und vor allem wollen mal hier der Frage nachgehen warum kann so eine Zwangsoption im Hintergrund mehr kosten als sie einbringt?
00:00:14: Dafür schauen wir natürlich die Kosten an, die man im Haushalt nicht sieht oder auch die Reaktionen der Betroffenen.
00:00:22: Um was geht es hier?
00:00:24: Ende September sind Angaben der Initiative Schulstreik gegen Werbpflicht, mehr als viertfünfundvierzigtausend Menschen in über hundert Städten auf die Straße gegangen.
00:00:34: und es war auch nicht der erste Streik dieser Art sondern schon der vierte.
00:00:39: seit Dezember letzten Jahres.
00:00:42: Und das obwohl ja die Werbpflicht formal ausgesetzt ist, also der Wehrdienst ist stand heute freiwillig.
00:00:48: verpflichtend sind aktuell für Männer nur ein Fragebogen und die Musterungen.
00:00:53: Also worum geht es den Protestierenden denn hier also genau?
00:01:00: Die Proteste richten sich gegen die sogenannte Bedarfswerpflicht und das Gesetz sieht vor, dass der Bundestag per Gesetz über eine sogenannte bedarfswerkpflicht entscheidet.
00:01:11: Insbesondere wenn die verteidigungspolitische Lage oder die Personallage ganz einfach auch es erforderlich macht.
00:01:18: also es gibt jetzt ja auch kein Automatismus oder sowas Weil das Gesetz legt Korridore fest, dass es wichtig zu wissen.
00:01:27: Aber nicht was passiert wenn sie verfehlt werden also wie viele in Anführungszeichen Mitarbeiter oder Soldaten die Bundeswehr dann jeweils hat.
00:01:36: Jetzt hat unser Verteidigungsminister aber im Bundestag schon Ende letzten Jahres so sinngemäß gesagt Wenn das nicht reicht Was die Anzahl angeht Oder die Betrungslage sich weiter verschlechtert Dann wird man zumindest um eine Teilwerbpflicht nicht umhinkommen.
00:01:56: Er hat aber auch gesagt, dass der Wehrdienst freiwillig ist und er es auch bleibt wenn alles so gut läuft wie man sich das verspricht.
00:02:03: Das heißt im Klartext Der Wehr-Dienst ist zwar stand heute Freiwillig Aber im Gesetz steht eine Möglichkeit daraus eine Pflicht zu machen Und ob's dazu kommt entscheidet der Bundestag.
00:02:14: also nicht ein Automatismus sondern der Bundestag entscheidet dann.
00:02:18: Und genau in dieser Konstruktion liegt der anreiztheoretische Kerl der Geschichte und auch aus meiner Sicht ein sehr, sehr großer Fehler.
00:02:26: freiwillig im Grundsatz aber mit einer im Gesetz angelegten Zwangsoption im Hintergrund.
00:02:32: Und zu was führt das?
00:02:34: Das schauen wir uns am besten auf zwei Ebenen an.
00:02:37: Die erste Ebene sind die Betroffenen also die jungen Männern und Frauen, also die potenziellen Rekruten Und für sie erzeugt genau diese Konstruktion ein schwieriges Problem.
00:02:51: Weil wer sich heute freiwillig meldet, der kann ja gewisse Wünsche äußern was Verwendung Standort Zeitpunkt angeht.
00:03:00: das ist natürlich auch da nicht garantiert auf.
00:03:03: da hängt es vom Bedarf und der Eignung ab.
00:03:06: aber das immer noch besser als wenn man abwartet weil dann riskiert man später mit mehr oder weniger gar keiner Mitsprache eingezogen zu werden.
00:03:17: Und ob es aber dazu überhaupt kommt, ist natürlich offen.
00:03:21: also ein ganz interessanter Sachverhalt.
00:03:24: Ja was müsste man jetzt erwarten?
00:03:25: Also ökonomisch betrachtet könnte man erwarten dass die Aussicht auf schlechtere Bedingungen in der Zukunft manche zur frühen Meldung bewegt.
00:03:35: Ob das eintritt, hängt aber davon ab für wie wahrscheinlich man die Pflicht hält und ob man selbst betroffen wäre Das weiß man aber nicht sicher.
00:03:43: also muss man vor sich eine Wahrscheinlichkeit bilden Und abwarten kann deshalb natürlich auch rational sein weil die pflicht kommt ja vielleicht nie Wir hoffen es doch dass sie nie kommt Dass die Lage nicht so prekär sich zuspitzt, dass der Bundestag dann das beschließt Und wenn das dann zum Beispiel zum Losverfahren kommt, kann es ja auch sein dass es dich nicht trifft.
00:04:03: Also das heißt man muss hier die Wahrscheinlichkeit einschätzen können und was man sich ja auch anschauen muss ist die sogenannte Motivation-Crowding-Theorie.
00:04:12: und hier hast du die Idee, dass immer dort wo Menschen äußere Kontrolle oder einen Äußeren zwang als Bevormundung erleben da kann natürlich ihre freiwillige Bereitschaft sinken.
00:04:24: also das Ziel dahinter, also das Vaterland zu verteidigen beispielsweise grundsätzlich teilen.
00:04:33: Das heißt so ein Fragebogen und eine Musterung die er jetzt schon Pflicht ist könnte so ankommen.
00:04:39: weg von wir bitten dich uns hier zu helfen sondern hinzu ja behalten uns vor über dich zu verfügen und es ist natürlich einen himmelweiter unterschied.
00:04:49: Und genauso lassen sich auch diese Schulstreikslesen als Reaktion junger Menschen, die sich einfach bevormundert fühlen.
00:04:56: Das ist natürlich absolut nachvollziehbar und natürlich gibt es hier auch andere Erklärungen also vielleicht eine grundsätzliche politische Ablehnung von Werbpflicht und Aufrüstung oder natürlich auch die Sorge um die eigene Lebensplanung, die ja genau mit solchen Unsicherheiten zusammenhängt.
00:05:13: So und worin liegt jetzt hier der Fehler?
00:05:15: Der Fehler liegt in der politischen Unschärfe, weil die Koalition hat ausdrücklich ja ja keinen Automatismus vorgesehen.
00:05:22: Also das lässt dem Bundestag auch Spielraum und je nachdem wie da ein paar Jahren die Mehrheiten sind kann es dann so oder so ausgehen Und das heißt natürlich für junge Menschen dass sie nicht wissen ob und wann es sie trifft.
00:05:37: also auch des Wann ist er hier die Frage und das erschwert natürlich die Planung logischerweise zur Unsicherheit und das möchte natürlich niemand.
00:05:46: Ja, so ist die aktuelle Situation.
00:05:48: aber was lehrt uns das als Unternehmer oder Führungskraft?
00:05:52: Und ich habe mal drei Lehren mitgebracht!
00:05:54: Die erste ist wenn ein freiwilliges Programm in deinem Unternehmen sein Ziel verfehlt dann ist die Versuchung immer groß diese Freiwilligkeit stillschweigend durch Druck zu ersetzen.
00:06:05: man sagt es natürlich nicht aber implizit setzt man die Leute dann unter Druck.
00:06:10: Also zum Beispiel bei freiwilligen Wochenendschichten, was ist wenn sie da nicht zustande kommen oder eine freiwillige Versetzungsbereitschaft, freiwillig übernahme von Zusatzprojekten und so weiter?
00:06:22: Was bedeutet das für Motivationen, für Fluktuationen für einen stillen Rückzug für Dienst nach Vorschrift weil jetzt niemand vertriebst hin dass zb oft auf Messen muss auch übers Wochenende und diese Messebesuche über freiwilligen Listen besetzt.
00:06:39: Und jetzt könnte es aber so sein, dass jedes Jahr dieselben zwei Personen hier zur Messe gehen und hier eingeteilt werden.
00:06:44: Das kann am Ende diese beiden Leistungsträger kosten.
00:06:48: oder wenn du das Freiwillig anbieterst sich niemand meldet und dann einfach eine Zwangsmaßnahme ansetzt wo man sagen kann was soll ich denn sonst machen?
00:06:56: So wird man gleich sehen was man sonst machen könnte oder was man zunächst mal überlegen müsste.
00:07:01: Aber da muss man berücksichtigen dass das fatale Folgen auch Unternehmen haben kann.
00:07:06: Wenn man so diesem Impuls folgt, wenn das Freiburg nicht klappt dann üben wir mehr oder weniger offen hier Druck aus.
00:07:14: So die zweite leere so eine Drohkulisse im Hintergrund ersetzt kein besseres Angebot.
00:07:20: Das ist jetzt der entscheidende Punkt.
00:07:22: Eine Drohkuilisse im hintergrund ersetzt kein bessres Angebot weil Mitarbeiter sind ja nicht dumm.
00:07:28: wie können das als Signal durchaus lesen?
00:07:32: Ihre Freiwilligkeit hier ohnehin nicht zählt am Ende des Tages.
00:07:36: Und das kann natürlich dann echt das Engagement senken, muss nicht unbedingt aber es ist durchaus im Bereich des Möglichen.
00:07:44: Das heißt bevor du so eine Zwangsoption andeute solltest du zunächst mal zwei Dinge prüfen.
00:07:51: ist dein Angebot wirklich schon so gut, wie es sein könnte.
00:07:55: Also ist das schon das bestmögliche Angebot?
00:07:56: Weil wenn du ein gutes Angebot hier machst und einen guten Deal vorschlägst dann ist es normalerweise auch kein Problem entsprechend freiwillige zu finden.
00:08:04: Wie sieht's ja auch in deiner Unternehmenskultur aus?
00:08:07: Und das zweite ist hast Du auch gemessen was deine bisherigen Anreize bewirken?
00:08:12: weil auch da könnte der Hund begraben sein!
00:08:16: Wenn du jetzt so ein Notfallmechanismus einführen musst Diese Messedienste zum Beispiel besetzt werden müssen oder die Nachtschichten, oder irgendwelche Überstunden.
00:08:27: Dann spricht aus anreiztheoretischer Sicht sehr viel dafür vor Abklar zu sagen wann dieser Zwang oder diese Notfallmaßnahme dieser Mechanismus greift Weil klare Regeln führen dann natürlich auch zu einer Planbarkeit.
00:08:42: Und jetzt gibt es ja natürlich auch ein Gegenargument, weil man könnte ja sagen Ja ich brauche gerade in Krisenzeiten zum Beispiel oder kurzfristig einfach auch Spielraum und das kann natürlich auch legitim sein.
00:08:51: aber wenn du dich für Spielraum entscheidest Dann sagt den Leuten wenigstens warum also versuche hier ganz klare regeln festzulegen die Für alle gelten muss sich alles daran orientieren können und erkläre auch dass warum dahinter ist nicht einfach Hier so eine Zwangsmaßnahme einführen schon gar wie das die Politik jetzt gemacht hat, einfach so ein bisschen ohne Begründung sich eine Hintertür offen zu halten.
00:09:15: Also man darf nicht glauben dass die Mitarbeiter hier das nicht mitbekommen.
00:09:20: deshalb hier transparent sein Das ist das A und O. Transparenz sein über die Regelungen warum wir jetzt hier weg müssen von der freiwilligen Lösung.
00:09:31: Und das wie gesagt muss ganz transparent gemacht werden.
00:09:34: Ja, wenn dir diese Perspektive hilft auch anhand von Beispielen von aktuellen Entwicklungen aus Wirtschaft und Politik dann abonnier unbedingt diesen Kanal.
00:09:46: Das freut mich immer sehr damit du hier auch keine Folge mehr vom Anreiz Kompass verpasst in Zukunft.
00:09:53: Leike gerne auch!
00:09:54: Auch das ist super.
00:09:55: Kommentiere gerne auch wenn du es anders siehst oder noch weitere Vorschläge hast zu diesem Thema.
00:10:00: ja und dann freue ich mich auf die nächste Folge.
00:10:01: bis zum nächsten Mal.
Neuer Kommentar