Der fatale Denkfehler der Zuckersteuer (und was Chefs daraus lernen können)
Shownotes
In dieser Folge zeige ich anhand der neuen Zuckersteuer, warum Hersteller oft stärker reagieren als Verbraucher, was Beispiele aus Großbritannien und Mexiko deutlich machen und weshalb ein Instrument nicht zwei gegensätzliche Ziele erfüllen kann. Die gleiche Logik gilt auch für Gebühren, Boni und Kennzahlen im Unternehmen: Wer Verhalten ändern will, muss bereit sein, am eigenen Erfolg Geld zu verlieren.
Im Format "Anreizkompass" analysiert Prof. Dr. Thomas Glökler aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklungen aus der Perspektive von Anreizen und Verhaltensökonomie. Stets mit Learnings für Unternehmer, Geschäftsführer und Führungskräfte!
🔗 Mehr von Prof. Dr. Thomas Glökler: [https://thomasgloekler.com](https://thomasgloekler.com)
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und ganz herzlich willkommen bei Anreiz Kompass.
00:00:02: Und heute schauen wir uns die Zuckersteuer an, die ja... aktuell sehr stark diskutiert wird.
00:00:09: und da schauen wir uns insbesondere die Anreizwirkungen an.
00:00:12: Und hier ist es ja so, dass es zwei Stufen geben soll je nach Zuckergehalte also ab fünf Gramm Zucker je hundert Milliliter werden, sechsen zwanzig Cent pro Liter fertig und ab acht Gramm zweiunddreizig Cent.
00:00:24: Also das fällt durchaus ins Gewicht, das spüren wir dann als Endverbraucher absolut.
00:00:32: Und jetzt sind aber Getränke mit Süßstoff, reine Säfte und Milchgetränke ausgenommen von dieser Regelung.
00:00:39: Ja da gibt es viele Details zu beachten.
00:00:42: was wir hier nicht tun ist der Frage nachzugehen ob der Staat die Ernährung seiner Bürger beeinflussen soll.
00:00:50: Da gibt's Pro und Kontra.
00:00:51: ich habe eine klare Meinung aber darum gehts ja jetzt nicht sondern mich interessiert etwas ganz anderes nämlich Diese Steuer soll ja zwei Dinge gleichzeitig dienen.
00:01:02: Zum einen soll sie Verhalten denken, dass wir uns hier gesünder ernähren und zum anderen aber sollen ihre Einnahmen natürlich genutzt werden.
00:01:11: die sind schon geplant nämlich um eine Kürzung des Bundeszuschusses an den Gesundheitsfonds abzufedern.
00:01:19: Und das ist jetzt genau die Frage.
00:01:21: Warum ist es ein Konstruktionsfehler?
00:01:23: Das nehme ich vorweg, das ist ein fataler Konstruktationsfehler wenn ihr Abgabe gleichzeitig lenken soll aber man damit auch Geld kassieren will um irgendwelche Löcher zu stopfen und das kennst du übrigens aus deinem eigenen Betrieb.
00:01:37: also wenn du jetzt sagst ja eigentlich habe hier nichts mit Steuererhebungen und mit der Zuckersteuer schon gar nicht zu tun im Unternehmen Aber das kennest du trotzdem Wenn du zum Beispiel eine Mannengebühr erhebt oder sowas, die ja auf der einen Seite die Zahlungsmoral verbessern soll.
00:01:54: Deshalb gibt es diese Mannengebür aber du diese gleichzeitig in deiner Planung als Einnahmen sozusagen geplant hast dann entsteht so ein gewisser Widerspruch und genau damit haben wir's hier zu tun.
00:02:07: Und wenn wir uns jetzt mal die Grundidee anschauen also so dass schon in den neunzehnhundertzwanziger Jahren die Ökonomie beschrieben hat wie man Kosten, die jemand auf andere abwälzt über eine Abgabe in dessen Kalkül zurückholt.
00:02:22: Das heißt wir sprechen hier ja dann bis heute von einer sogenannten Lenkungssteuer.
00:02:27: Ja das heißt wer viel Zuckerhaltiges trinkt der riskiert Folge Krankheiten bzw erhöht einfach die Wahrscheinlichkeit davon.
00:02:36: Ein Teil dieser Kosten trägt die Person selbst, aber ein Teil landet über die Krankenkassenbeiträge bei allen Versicherten.
00:02:44: Und das ist jetzt hier das Argument.
00:02:46: und die Steuer macht diese Kosten dann im Preis sichtbar.
00:02:50: Das ist natürlich erst mal gut anreiztheoretisch.
00:02:53: man verbietet nichts weil das wäre natürlich auch eine Alternative.
00:02:56: man könnte sagen ok zuckerhaltige Getränke werden verboten.
00:03:01: Das macht man hier nicht, aber man wirkt auf den Preis ein.
00:03:04: Man macht das teurer mit dieser Steuer und jetzt wird es spannend weil die stärkste Wirkung einer nach Zucker gestaffelten Steuer kommt nicht vom Konsumenten sondern sie kommt vom Hersteller.
00:03:16: und das zeigt das Beispiel Großbritannien weil dort wurde Auch schon eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke angekündigt, dann in den letzten Jahr mit den selben Schwellen wie jetzt in Deutschland.
00:03:30: Also fünf Gramm und acht Gramm.
00:03:31: Da haben wir uns offensichtlich was abgeschaut von Großbritannien.
00:03:35: Und das Ergebnis dort war dass die Hersteller ihre Rezepturen verändert haben.
00:03:39: Gemessen ab im Jahr zwei Tausend Fünfzehn sank der Zuckergehalt in den getroffenen Getränken um rund dreißig bis fünftig Prozent Und vieles davon geschah zwischen der Ankündigung der Steuer und dem Start dieser Steuer.
00:03:53: Das heißt, die Wirkung kam nicht schlussendlich über den Preis im Regal, den ich dann bezahlen muss diesen höheren Preis, den er als Konsument bezahlen muß sondern schon davor über das Rezept im Labor beim Hersteller.
00:04:05: also der Hersteler hat jetzt hier einen Grund unter diese Schwelle zu kommen damit er diese Steuer hier nicht drauf packen muß.
00:04:13: und es hat er getan war der größte Hebel dieser Steuer.
00:04:19: Und jetzt kommt ja eigentlich die Konstruktionsfehler, denn jetzt müssen wir uns mal überlegen was passiert denn wenn diese Steuer super funktioniert und sich auf einmal alle zuckerfrei und absolut gesund ernähren?
00:04:32: Was passiert dann?
00:04:33: Dann bekommt das Staat natürlich weniger Geld herein.
00:04:36: Das heißt, wenn man jetzt sagt okay wir führen dieses Steuer ein um etwas für die Gesundheit unserer Bürger zu tun Dann ist das natürlich ein heeres Ziel, da kann keiner was dagegen sagen.
00:04:46: Aber wenn es perfekt funktionieren würde hätte der Staat hier überhaupt keine Einnahmen.
00:04:52: und wenn man jetzt bedenkt dass der Staat tausend Beamten stellen planen wird es ein fatales Minusgeschäft weil dann natürlich keine Einamen dagegen stehen würden.
00:05:02: Ja, also nur mal als Gedankenexperiment.
00:05:05: In Großbritannien wurden für das erste Jahr vorsprünglich fünfhundertzwanzig Millionen Pfund erwartet und die Prognose wurde dann auf zweihundertvierzig Millionen gesenkt.
00:05:15: Also mehr als die Hälfte musste diese Prognese gesenked werden und die Regierung hat es dann in der Reformulierung entsprechend erklärt und heute bringt die Abgabe gut dreihundert Millionen Pfunden im Jahr.
00:05:28: Das heißt sie verschwindet nicht aber sie bleibt dauerhaft deutlich unter dem was ursprünglich eingeplant war und lässt sich natürlich auch relativ schwer vorhersagen.
00:05:38: Das bedeutet so eine Lenkungsabgabe die wirklich funktioniert, die untergräbt natürlich ihre eigene Einnahmebasis.
00:05:47: wenn also der Finanzminister fest mit rund neunhundert Millionen Euro im Jahr plant dann hat er zwei Ziele in ein Instrument geparkt die gegeneinander arbeiten Und das verstößt gegen eine Grundregel, nämlich für jedes Ziel braucht man ein eigenes Instrument.
00:06:04: Wer mit einem Instrument aber zwei feste Ziele zugleich treffen will, der muss in der Regel bei einem davon Abstriche machen und das ist ja ganz offensichtlich der Fall.
00:06:15: Schauen wir jetzt mal auf die Anreizsituationen.
00:06:18: Für das Gesundheitsziel ist es egal ob die Einnahmen hoch oder niedrig sind.
00:06:22: Das ist völlig egal.
00:06:24: Für den Haushalt ist es nicht egal Für die Jahre ab im Bundeshaushalt, laut Finanzplanung große Lücken und damit entsteht natürlich ein verdeckter Anreiz die Steuer so zu halten dass sie verlässlich Geld bringt.
00:06:38: Wenn also die Einnahmen fest im Haushalt stehen man fest damit plant dann ist man natürlich auch unter Druck.
00:06:45: Dann kann man es ja gar nicht gut finden wenn Bevölkerungen sich dann auf einmal zuckerfreier Ernährte oder gesünder Ernärte.
00:06:53: Da hat man ja kein Interesse dran aus der Einnahmsicht und entsprechend ist man, was die Finanzen angeht logischerweise unter Druck.
00:07:01: Und jetzt schauen wir mal auf die andere Seite hier nämlich auf die Verbraucher.
00:07:06: in Mexiko gibt es seit zwei tausend vierzehn eine Steuer von einem peso pro liter.
00:07:12: das macht die Getränke um rund zehn Prozent teurer unabhängig vom Zucker gehalt.
00:07:17: Verglichen mit dem Verlauf ohne Steuer kaufen die Haushalte im ersten Jahr rund sechs Prozent und im zweiten Jahr knapp zehn Prozent weniger zuckerhaltige Getränke.
00:07:26: Und am stärksten hier die ärmeren Haushalter, das ist jetzt ja natürlich ein Effekt!
00:07:32: Wenn man das jetzt ernst meint mit diesem Gesundheitseffekt dann ist es auch so dass der Verbraucher wenn er in den Supermarkt geht einfach nur den höheren Preis sieht aber nicht den Grund für den Höhenpreis kann alle mögliche Gründe haben Ob er dann die Verbindung zum Zucker herstellt, das ist völlig offen.
00:07:50: Die stärkste Lenkung läuft deshalb wie gesagt über das Rezept aber nicht über das Preisschild.
00:07:55: und genau dieser Kanal ist es der die Einnahmen da am Ende schrumpfen lässt und der die größte Gefahr sozusagen für die Kasse des Staates ist.
00:08:05: Ja, und dann gibt es hier natürlich noch weitere Konstruktionsfragen.
00:08:08: Zum Beispiel gibt's ja auch Grössenschwellen.
00:08:11: Das heißt diese Zuckersteuer gilt offensichtlich nicht für kleine Unternehmen wenn sie eine gewisse Größenordnung erreicht haben Und das ist jetzt aus Mittelstandsicht nachvollziehbar und wird sicherlich gut geheißen.
00:08:24: diese Befreiung Aber anreiz.
00:08:26: theoretisch muss ein Bewusstsein dass jede Schwelle problematisch ist Und es heißt natürlich auch, für die kleinen unter der Grenze gibt's gar keinen Anreiz ihre Rezepte zu ändern.
00:08:36: Also ist das auch die Frage der Konsequenz.
00:08:38: Wenn man wirklich das Gesundheitsziel konsequent verfolgen möchte dann muss man noch sagen, dass macht überhaupt keinen Unterschied ob da Produzent jetzt hier ein großes oder kleines Unternehmen ist.
00:08:48: Dann muss man das bei allen zuckerhaltigen Getränken erheben völlig egal wer der Hersteller ist oder wie groß der Hersterler ist.
00:08:56: und die zweite Konstruktionsfrage das ist die Glaubwürdigkeit.
00:09:01: Aus den Ländern heißt es, die Branche hätte schon freiwillig Zucker reduziert.
00:09:05: Und solche freiwilligen Selbstverpflichtungen können natürlich funktionieren.
00:09:08: bei Softdrinks in Deutschland war der Effekt bisher aber gering.
00:09:12: Laut einer Studie sankt der Zuckergehalt von zwei Tausend Fünfzehn bis Zwei Tausendeinzwanzig um gerade mal zwei Prozent im Großbritannien.
00:09:21: dann zum Vergleich mit der Abgabe um rund dreißig Prozent.
00:09:24: also offensichtlich Der Freiwillige Anreiz ist nicht wirklich hoch.
00:09:28: Ja, was heißt das für dich als Unternehmer oder Führungskraft?
00:09:32: Ich gebe dir jetzt mal fünf Konstruktionsregeln mit und jede gilt für eine Lenkungsabgabe genauso wie für deine Gebühren.
00:09:40: Für deine Boni oder für deine Kennzahl.
00:09:42: Und das Erste ist... Ein Instrument, ein Ziel.
00:09:45: Ja das ist ganz wichtig.
00:09:46: wir haben jetzt hier gesehen warum wenn du eine Gebührenbonus oder eine Kennzahl einführst um Verhalten wirklich zu ändern dann plan ich gleichzeitig fest mit den Einnahmen daraus die Du da aus irgendwelchen Strafen generierst oder aus Zahlungen die Du nicht leisten musst.
00:10:03: Das solltest Du nicht tun.
00:10:04: ja weil sonst hast Du hier genau diesen Konflikt den der Staat jetzt hier mit dieser Zuckersteu auch hat.
00:10:10: Wenn nämlich zum Beispiel deine Manngebühren wirken, dann sinken sie natürlich und dann solltest du sie nicht einplanen.
00:10:16: Wer sie dagegen halt fest als Ertrag einplant der hat dann am Ende den Loch im Bücher.
00:10:22: Dann der zweite Punkt setzt den Anreiz dort wo der Hebel wirklich liegt.
00:10:27: die Zuckersteuer wirkt am stärksten dort wo jemand das Rezept ändern kann und nicht dort wo Jemand das Preisschild liest.
00:10:34: Und in deinem Unternehmen heißt das, ein Bonus für einen Außendienst der die Lieferzeit verbessern soll obwohl die Lieverzeit von der Logistik abhängt.
00:10:41: Das ist ein klassischer Fehlgriff.
00:10:42: also überlegt ihr hier im Vorfeld worauf hat dieser Anreiz den größten Effekt und auf welche Gruppe er dieser anreizenden Größen effekt?
00:10:51: Dann drittens, mach deine Regeln glaubwürdig.
00:10:53: Also du kündigst an Boni zu kürzen oder Regeln durchzusetzen und ruderst dann bei jedem Widerstand zurück... ...dann hast Du Deinen Leuten beigebracht das Abwarten-und-Widerstand ja die beste Strategie ist Und legt es halt vorher fest wann geprüft wird und welche Ergebnisse zur Anpassung führen.
00:11:11: Das ist schon im Vorfeld klar ist und dass es nicht so willkürlich wirkt.
00:11:15: Ja fassen wir zusammen!
00:11:16: Es ist ein Konstruktionsfehler, wenn eine Abgabe gleichzeitig lenken und kassieren soll.
00:11:21: Es kann nicht funktionieren.
00:11:22: entweder sie lenkt gut oder sie kassiert gut aber beides wird nicht gut funktionieren.
00:11:26: Je stärker sie lenken desto weniger Geld bringt sie ein.
00:11:29: das ist ganz logisch.
00:11:31: Und ja wie gesagt beide sind voller Höhe.
00:11:33: Das geht nicht.
00:11:34: Ein Steuerungsinstrument dass wirklich funktioniert das bringt weniger Geld als eines das nichts bewirkt.
00:11:40: also muss ich mich entscheiden will Ich Geld generieren?
00:11:44: Dann sollte ich das Steuerungsinstrument so setzen, dass es keine große Wirkung hat.
00:11:48: Oder will ich eine Wirkung generieren?
00:11:49: Aber dann darf ich nicht mit Geld rechnen!
00:11:51: Wer also Verhalten ändern will, der muss bereit sein am eigenen Erfolg Geld zu verlieren und das gilt für den Finanzminister genauso wie die Geschäftsführung in deinem Unternehmen.
00:12:02: Das war's von heute.
00:12:03: Wenn euch diese Perspektive hilft, dann abonniert gerne unbedingt diesen Kanal damit ihr keine Folge von Anreizkompass verpasst.
00:12:10: in Zukunft Bis zum nächsten Mal.
00:12:12: Ich freue mich auf nächste Folge.
Neuer Kommentar