Bonuszahlungen trotz Verspätungen: Wie schafft es die Bahn, ihre eigenen Ziele fast nie zu verfehlen?
Shownotes
In dieser Folge zeige ich, wie gut gemeinte Bonusregelungen bei der Deutschen Bahn komplett ins Leere laufen – und warum das Systemdesign oft wichtiger ist als die eigentliche Zielmarke. Ich nehme euch mit hinter die Kulissen der Anreiztheorie und erkläre, wie Kennzahlen, Definitionen und Verhandlungsmacht darüber entscheiden, ob Boni echte Verbesserungen bringen oder nur Zahlenkosmetik fördern. Dabei decke ich auf, wie durch geschickte Definitionen selbst schwache Leistungen belohnt werden und welche psychologischen Effekte in solchen Systemen wirken. Ich zeige, welche Fehler Unternehmen bei Zielvereinbarungen vermeiden sollten und warum die Realität auf der Schiene oft anders aussieht als die offiziellen Quoten. Wenn ihr wissen wollt, wie aus ambitionierten Zielen Symbolpolitik wird und was das für Motivation und Leistung bedeutet, hört unbedingt rein!
Im Format "Homo Incentivus" analysiert Prof. Dr. Thomas Glökler aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklungen aus der Perspektive von Anreizen und Verhaltensökonomie. Stets mit Learnings für Unternehmer, Geschäftsführer und Führungskräfte!
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Transkript anzeigen
00:00:00: Ich stelle mal vor, du bist Personalchef und willst deine Mitarbeiter fürs pünktliche Erscheinen belohnen.
00:00:06: Also legst du zum Beispiel fest wer vor neun Uhr da ist der kriegt eine Prämie.
00:00:11: nur die Uhr an der du das misst die geht selbst eine halbe Stunde nach.
00:00:16: Und genau so ein System hat sich Deutschland gerade bei der deutschen Bahn gebaut.
00:00:22: Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat angekündigt, dass die Millionenboni für die Bahnvorstände künftig strenger an die Pünktlichkeit gekoppelt werden sollen.
00:00:31: Und das klickt erstmal absolut vernünftig.
00:00:34: Ich denke da ist jeder damit grundsätzlich einverstanden.
00:00:38: Wer nicht liefert soll auch nicht kassieren.
00:00:39: Das ist ja das Motto.
00:00:40: aber je genauer du hinschaust was da überhaupt als pünktlich gilt und wie diese Zielmarken zustande gekommen sind Desto mehr wird aus einer simplen Bestrafungslogik, also dass ich keine Prämie oder kein Bruni bekomme wenn ich hier diese Ziele verfehle.
00:00:58: Ja eigentlich das Gegenteil draus werde.
00:01:00: und insofern ist es eine richtig spannende Fallstudie nämlich ne Fallstudio darüber wie Anreize komplett ins Leere laufen können obwohl man sich ja wirklich gut meint Was das mit einem Trick zu tun hat, den offenbar auch Bahnmanager ziemlich gut beherrschen.
00:01:17: Das seht ihr in diesem Video, den verrat ich euch gleich.
00:01:21: und um das vorwegzunehmen es ist fast schon genial wenn er nicht so teuer für uns alle wäre.
00:01:27: und ja damit willkommen hier bei Homo Incentivus wo es immer um Anreize geht und wir wirtschaftliche und politische Gegebenheiten und Sachverhalte mit der Anreiztheorie untersuchen.
00:01:41: Ja, heute schauen wir uns genau an warum gute Absichten bei Bonisystem so oft an der kleinsten Stellesscheider nämlich an der Definition dessen was überhaupt gezählt wird.
00:01:53: Jetzt aber noch mal zum aktuellen Sachstand hier in diesem Fall ganz kurz zu nüchtern.
00:01:57: Also die Deutsche Bahn zahlt ihrem Vorstand seit Jahren erhebliche Bonuszahlungen, für das Geschäftsjahr im Jahr ist es insgesamt rund drei Millionen Euro zusätzlich zu den Grundgehältern und gleichzeitig ist die Pünktlichkeit des Fernverkehrs im ersten halben Jahr im Jahr bis zum nächsten Jahr bei der Bärde nach unternehmenseigener Zählung auf etwa Gefallen.
00:02:21: im Juni waren sogar nur fifty-kommar sechs Prozent der Halte.
00:02:26: Das bedeutet, im Junikam fast jeder zweite Fernverkehrshalt zu spät – während oben weiter Millionen fließen?
00:02:34: Ja und das passt natürlich nicht zusammen!
00:02:35: Und genau dieses Missverhältnis hat Minister Billger jetzt Dazu offenbar bewogen, die Bonusregeln zu verschärfen.
00:02:43: Er verweist auf die ohnehin mit der Bahn vereinbarte Zielmarke von siebzig Prozent Pünktlichkeit bis zwei tausend neunzwanzig und will die Auszahlung der Manager Boni künftig direkt und strenger daran
00:02:55: koppeln.".
00:02:56: Und wie gesagt das ist ja eigentlich so offen erster Blick nicht verkehrt und wird offensichtlich in der Presse auch sehr gelobt!
00:03:04: Jetzt wird es für uns aber richtig interessant denn wenn du dir die konkrete Ausgestaltung anschaust, die ist aus einem internen Dokument zur Erfolgsbeteiligung im Jahr zwei Tausend Fünfundzwanzig bekannt geworden.
00:03:16: Dann beginnt die Bonuszahlung schon bei fünfundsechzig Prozent Pünktlichkeit, bei fünf sechzig prozent.
00:03:23: Dann die nächste Stufe, nämlich siebensechzeinhalb Prozent, da gilt das Ziel als hundert Prozent erreicht und bei siebzig Prozent gibt es sogar hundertfünfzig Prozent der vereinbarten Boni.
00:03:36: Also das muss man sich mal auf dazu jetzt hergehen lassen, diese Zahlen allein verraten schon sehr viel über die Mechanik von Anbreizsystem.
00:03:44: sie zeigen nämlich ein Zielband dass so eng um einen mittleren Wert herum legt, dass selbst ein Verfehlen des großen politischen Ziels von siebzig Prozent was ja auch nicht sehr ambitioniert ist.
00:03:54: Das heißt immer noch dreißdreißig Prozent der Halte zu spät kommen dass es trotzdem noch komfortabel mit einer soliden Bonuszahlung endet.
00:04:03: Der ehemalige Lokführer und langjährige Gewerkschaftschef Klaus Weselski hat genau das kritisiert, man kann ja über ihn denken was man möchte.
00:04:11: aber hier hat er denklichen Punkt, dass die viel zu niedrigen Ziele System hätten einfach zur Befriedigung der Führungskräfte damit sie eben mehr oder weniger sicher ihre Bonuszahlungen bekommen.
00:04:25: Und tatsächlich wurden selbst diese niedrigen Ziele im Personenverkehr nach unterstritten.
00:04:31: Jetzt kommt die eigentliche Ponte, dass die Neuverkehrsminister, die Boni künftig strenger koppeln will, exakt die Zahl bei der im heutigen Monusmodell schon die vollen Hundertfünfzig Prozent Auszahlung ließen.
00:04:48: Dieses ambitionierte Ziel für das Jahr ist gemessen am bestehenden System, also die Obergrenze von heute nur quasi als Versprechen für morgen verpackt.
00:05:00: Und das ist genau der Punkt an dem wir die Prinzipalergententheorie sehr gut anbinden können und Klassiker der Anreizforschung weil der Bund ja als Eigentümer der Bahn Der sogenannte Prinzipial, also der Auftraggeber beauftragt den Vorstand.
00:05:16: Der Vorstand ist der Agent und er handelt im Auftrag des Prinzipals aber verfolgt seine eigenen Interessen.
00:05:24: und vor allem ist das Problem... dass der Agent also hier der Vorstand einen Informationsvorsprung hat vor dem Prinzip, weil er kennt die operative Realität des Schienenetzes viel besser.
00:05:36: Die Baustellenlage, die Signaltechnik, die Personalsituation und so weiter.
00:05:40: Das kennt auch viel genauer als das Verkehrsministerium.
00:05:43: Und wenn dann beide Seiten über die konkrete Zielmarke verhandeln ab wann es dann jetzt genau welche Prämie gibt Dann sitzt der Agent am längeren Hebel weil er glaubhaft machen kann, welches Ziel ambitioniert aber trotzdem realistisch ist.
00:06:00: Und genau in dieser Kautzone werden Zielkorridore gerne so gelegt dass sie mit vertretbarem Aufwand erreichbar bleiben.
00:06:07: und das ist jetzt überhaupt kein Vorwurf irgendwie persönlicher Unredlichkeit sondern die völlig rationale Reaktion auf dem System, das genau diese Verhandlungsmach zulässt.
00:06:20: Wer als Manager weiß, dass seine variable Vergütung also der Bonusteil seines Gehalts und das ist jetzt nicht wenig hier von einer Zahl abhängt die er selbst mitverhandelt.
00:06:33: Der wird diese Verhandlung natürlich sehr ernst nehmen und wahrscheinlich ernster als die eigentliche operative Verbesserungen.
00:06:40: Und damit sind wir mitten in der sogenannten Zielsetzungstheorie.
00:06:45: Ziele wirken nur dann leistungssteigern, wenn sie spezifisch und herausfordernd sind.
00:06:51: Viele von euch kennen vielleicht auch diese smarten Ziele also ein Ziel das ohnehin erreicht wird ohne dass man sich groß anstrengen muss.
00:07:01: Das entfaltet natürlich keine zusätzliche Anstrengung mehr.
00:07:04: Das wird einfach nur noch abgesegnet und dann eben ohne große Schwierigkeiten erreicht.
00:07:11: Aber die Geschichte hat noch eine zweite und sogar noch etwas unangenehmere Ebene.
00:07:15: Und das ist mit dem sogenannten Kempelschen Gesetz erklärbar.
00:07:21: Je stärker eine quantitative Kennzahl für Entscheidungen genutzt wird, desto stärker kann sie auch unter Druck geraten manipuliert zu werden und desto mehr verzerrt sie gerade die Prozesse, die sie eigentlich abbilden sollte.
00:07:34: Und genau das lässt sich bei der Bahn aktuell hier beobachten.
00:07:38: Das ist genau dieser Trick, von dem ich am Anfang gesprochen habe.
00:07:42: Also schauen wir uns das ja nochmal konkret an!
00:07:45: Die Deutsche Bahn zählt einen Halt aktuell noch als pünktlich wenn die Verspätung unter sechs Minuten bleibt.
00:07:52: also fährt der Zug mit fünf Minuten Verspäthung in den Bahnhof ein und hält dort.
00:07:58: dann ist es noch pünftig.
00:08:01: Und noch schlimmer ist, was ist mit einem komplett ausgefallenen Zug?
00:08:05: Der taucht in dieser Statistik überhaupt nicht als unpünktlich auf.
00:08:08: Weil er ist ja ausgefallen!
00:08:10: Der fällt quasi aus dieser Wertung einfach raus... der Fahrgastverband Proban hat deshalb den Minister aufgefordert die Definition von Pümpligkeit zu verschärfen so wie es zum Beispiel die Schweiz macht wo schon ab drei Minuten Verspätung pro Halt gezählt wird Und ausgefallene Züge sollen künftig ausdrücklich als verspätet gelten.
00:08:30: Ich meine, das ist ja eigentlich ganz logisch und der ProBahn-Vorsitzende hat es auch sehr pointiert formuliert.
00:08:39: er sagt die Bahn habe das Ministerium in der Vergangenheit quasi ausgetrickst indem sie so viele Halte ausfallen ließ bis der Zug auf die Rückfahrt wieder in der Zeit lag.
00:08:50: Also wenn man gemerkt hat, okay wir sind hier im Verzug zwanzig Minuten dann haben wir einfach verschiedene Stops ausgelassen bis wir dann wieder pünktlich waren Weil der ausgefallene Halt in der offiziellen Pünktlichkeitsquote gar nicht auftaucht.
00:09:06: Und das ist natürlich ein massiver Fehlanreiz, weil aus Sicht der Fahrgäste eine Katastrophe ist.
00:09:13: Also ein ausgefallener Zug ist ja noch schlimmer als ein verspälter Dauerzug aber aus Anreizeicht war es eben sehr rational und dazu kommt hier ein sogenanntes Multitasking-Problem.
00:09:25: Ein Vorstand hat ja eigentlich sehr viele Ziele und Aufgaben gleichzeitig.
00:09:30: Also klar, die Pünktlichkeit ist sehr wichtig aber auch Sicherheit, Ausfälle, Anschlüsse
00:09:36: usw.,
00:09:38: Aber sobald du nur eine einzelne dieser Dimensionen belohnt, nämlich ja die Pündigkeit verschiebt sich der gesamte Anstrengung genau dorthin wo die Beläunte Kennzahl eben am leichtesten zu verbessern ist Auch wenn das auf Kosten der eigentlich wichtigen, aber unbelohnten Dimension geht wie zum Beispiel die Sicherheit.
00:09:55: Vielleicht kann ich die Pünktlichkeit erhöhen zur Lasten der Sicherheit.
00:09:59: damit ist es auch kein Geräufe.
00:10:01: Also sprich Werbohne auf Pündigkeit nach sechs Minuten Definition zahlt er bekommt am Ende möglicherweise nicht mehr pünktliche Züge sondern einfach geschickter definierte Ausfälle.
00:10:13: Die Kennzahl wird zum Ziel an sich und nicht mehr zum Abbild der Realität, die sie eigentlich messen sollte.
00:10:18: Und das ist absolut fatal!
00:10:21: Wer hier die Definitionshoheit über die Kennzahl hat?
00:10:24: Der hat am Ende mehr Einfluss auf seinen Bonus als jeder tatsächliche Verbesserungsprozess im Schienennetz.
00:10:30: Ich muss ja nur glaubhaft verkaufen dass diese sechs Minuten Definition sinnvoll und eine gute Idee ist.
00:10:36: Diesen Mechanismus kennt man übrigens auch aus einer ganz anderen Branche, nämlich aus der Vertriebssteuerung Großunternehmen.
00:10:44: Und da zeigt die Praxis regelmäßig das Teams mit unterstunden lang darüber diskutieren wie sich vereinbarte Kennzahlen am geschicktesten Timon oder verbuchen lassen statt die Zeit in echte Kundenprozesse zu stecken.
00:10:58: Und auch das ist absolut keine böse Absicht, sondern die logische Konsequenz wenn ein Anreizsystem dazu einlädt die Definition der Kennzahl zu optimieren statt dass dahinter liegende Ergebnis.
00:11:11: und interessant ist außerdem noch einen weiteren Effekt der bei der Bahn wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle spielt und dem man aus der Verhaltensökonomie als eine Art Aufgeben-Effekt kennt weil Man angenommen, wenn ein Vorstand im laufenden Jahr merkt dass selbst die untere Bonus-Schwelle von fünf Sechzeh Prozent also die man erreichen muss um überhaupt einen Bonus zu bekommen kaum noch erreichbar ist.
00:11:33: Und bei zweiundfünfzig, sechs Prozent im Juni war das durchaus der Fall.
00:11:37: Also da geben wir jetzt mal davon aus, der Vorstand weiß spätestens jetzt okay mein Jahresziel kann ich beim besten Willen nicht mehr erreichen dann sinkt logischerweise natürlich auch der Anreiz sich jetzt hier für die letzten Prozentpunkte dieses Jahr überhaupt noch hier ein Bein auszureißen.
00:11:53: Ein Ziel das unerreichbar wirkt, das motiviert nicht mehr.
00:11:55: Im Gegenteil ist demotiviert und das ist die Kerrseite hier bei der Zielsetzungstheorie zu leichte Ziele verpuffen aber zu schwer erscheinende Ziele tun das genauso nur eben von der anderen Seite her und deshalb ist es also schwer hier wirklich smarte Ziele zu vereinbaren.
00:12:12: an dieser stelle lohnt sich noch eine weitere Anreizebene mitzudenken die in der öffentlichen Debatte so ein bisschen zu kurz kommt nämlich die intrinsische Motivation der Menschen, die tatsächlich für Pünktlichkeit zogen müssen.
00:12:25: Also zum Beispiel die Fahrdienstleider, die Lockführer, die Disponenten im operativen Betrieb also die das wirklich beeinflussen können.
00:12:34: Ja ein Lockführers, der will ja nicht irgendwie mit Absicht unpünktlich sein.
00:12:39: Der will pünktlicher ankommen weil er auch sich mit seinem Job identifizieren, weil er stolz auf seinen Job ist.
00:12:46: Er braucht dafür eigentlich kein Bonus von oben.
00:12:49: Und das Risiko eines Steuerungssystems, der sich jetzt hier sehr stark auf Kennzahlen und Boni verengt ist eben dass diese Intrinsich-Motivation nach und nach verdrängt wird.
00:12:58: Also wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass dieses Bonisystem nicht nur auf der Vorstandsebene entgeführt wird sondern sozusagen auch nach unten kaskadiert wird Weil dann ist Pünktlichkeit plötzlich vor allem ein Spielfeld, das mit Zielkorridoren zu bespielen ist und nur noch auf diese Kennzahlen achtet.
00:13:20: Und sozusagen dieser intrinsische Anreiz nicht spät kommen zu wollen weil man so eine gewisse Berufsehre hat, weil einem der Jobs Spaß macht es wird völlig verdrängt und man läuft sozusagen nur noch Karotte hinterher.
00:13:32: Und natürlich wäre es noch schlimmer, wenn es eine Entkopplung gäbe, wenn also nur der Vorstand hier ein Boney bekommen würde und sozusagen die Leute an der Basis, die ja wirklich einen Einfluss drauf haben nicht.
00:13:44: Also man sieht das ist ganz, ganz schwierig!
00:13:47: Die operative Realität und der Vergütungsanreiz sollten einfach nicht auseinander klaffen denn dann würde hier der extrinsische Anreiz verpuffen und zusätzlich entsteht natürlich das Gefühl im gesamten Unternehmen, dass Pünktlichkeit ohnehin nur so eine abstrakte Verhandlungsmasse ist.
00:14:05: Und das ist am Ende dann psychologisch schwerer zu reparieren als jede falsch gesetzte Zielmarke.
00:14:12: Was man an dieser Stelle auch nicht übersehen darf, das ist der politische Anreiz von dem neuen Verkehrsminister Denn auch er handelt ja nicht im luftlären Raum.
00:14:21: Für ihn ist eine öffentlich sichtbare Ankündigung, die Manager Boni endlich an Leistung zu koppeln – was ja ein Großteil der Bevölkerung sicherlich befürwortet -, dadurch natürlich ein politisch attraktives Signal gerade angesichts des Unmuts vieler Bahnkunden.
00:14:36: und das ist natürlich auch per se nichts Verwerfliches.
00:14:38: Im Gegenteil, dass es eine nachvollziehbare Reaktion auf den öffentlichen Druck.
00:14:43: Aber genau hier liegt eine Gefahr, die man die Symbolpolitik Falle nennen könnte.
00:14:49: Weil ne Ankündigung, die vor allem auf die Schlagzeile zielt kann sich mit nur Oberfläche verschärften Zielvorgaben zufrieden geben ohne die eigentliche Stellschraube anzufassen weil es ja nur zählt dass man sagen kann wir haben jetzt hier die Daumenschrauben angezogen und das Bonisystem in Anführungszeichen optimiert.
00:15:10: Ja, was werden wir aus diesem Fall gerade mit Blick auf Unternehmen, die selbst gerne häufig mit Zielvereinbarungen und Bonisystemen arbeiten?
00:15:19: Der erste Punkt wäre Variable Vergütung an eine Kennzahl koppelt.
00:15:23: Da muss der Definition dieser Kennzahl mindestens so viel Sorgfalt widmen wie der Auswahl dieser Kennzahlen selbst.
00:15:31: Also eine Zielmarke von siebzig Prozent Pünktlichkeit ist wertlos, wenn gleichzeitig Definitionen von Pünklichkeit selbst verhandelbar bleibt oder Ausfälle einfach unsichtbar macht.
00:15:42: Das heißt man muss sich hier wirklich die Mühe machen sehr tief ins Detail dann auch einzutauchen.
00:15:48: und konkret heißt das für jedes Unternehmen, für jede Führungskraft, für jeden Geschäftsführer bevor über die Zielhöhe gesprochen wird sollte erst geklärt werden wer definiert überhaupt Die Kennzahl, wie robust ist sie überhaupt gegen Umgehung?
00:16:04: Gegen eine gewisse Manipulation und kann sich auch von einer unabhängigen Stelle geprüft werden.
00:16:11: Das ist ganz wichtig!
00:16:12: Und bei der Bahn wäre das zum Beispiel ein unabhängiges Prüfcremium.
00:16:16: oder man nimmt die Vorschläge von ProBahn Ernst, die Definition selbst zu verschärfen und die Bewertungen auf mehrere Faktoren zu stützen damit ne einzelne Kennzahl gar nicht erst Ja, nicht dass sie nicht manipulierbar ist sondern dass die Auswirkungen davon dann einfach nicht so groß sind weil es noch viele weitere Kennzahlen gibt die wichtig sind.
00:16:37: Das zweite Learning betrifft die Fandungsmacht bei der Zielsetzung.
00:16:40: selbst wenn der Agent also in unserem Fall der Bahnvorstand der ja hier bewertet werden soll gleichzeitig maßgeblich an der Formulierung des eigenen Ziels beteiligt ist das ja eigentlich ein No-Brainer, dann entsteht fast zwangsläufig ein zu bequemer Korridor.
00:16:58: Also es ist dann wie auf dem Basar da wird dann hin und her verhandelt und ambitioniert wird dieses Ziel nur in den seltensten Fällen sein.
00:17:08: Unternehmen sollten deshalb Zielvereinbarungsprozesse so gestalten dass zum Beispiel externe Benchmarks also zum Beispiel der Vergleich mit der Schweizer Bahn hier eine echte Rolle spielt.
00:17:18: Und der dritte Punkt Das ist dieser schon angesprochenen Multitasking Problem.
00:17:23: Statt einer einzelnen Kennzahl sollte ein Bündel von Indikatoren herangezogen werden, dass schwerer gemeinsam zu manipulieren ist.
00:17:31: Manipulieren hört sich immer so negativ an aber es geht einfach darum... Die Realität besser abzubilden und die ist eben nicht nur von einer Kennzahl in der Regel abhängig, sondern von ganz vielen.
00:17:44: Also zum Beispiel nicht nur Pünktlichkeit, sondern Ausfallquote, Anschlusssicherung
00:17:50: usw.,
00:17:51: das könnte man gemeinsam gewichten so dass ein Ausweichen von einer Stellschraube auf die andere den Bonus nicht mehr rettet.
00:17:57: Man könnte auch die Kundenzufriedenheit nehmen weil all diese Punkte hier auch mit reinfließen.
00:18:04: Ja, und der vierte Punkt betrifft die Gestaltung der Bonus-Kurve selbst.
00:18:08: Also so steile Sprünge wie wir sie hier sehen zwischen sixty Prozent und seventy Prozent von null auf hundertfünfzig Prozent Bonus das erzeugt natürlich genau an diesen Schwellenwerten unerwünschtes Verhalten.
00:18:20: Sei es taktisches Zurückhalten von Leistung knapp über der Schwede oder Resignation knapp darunter, also das ist immer sehr schwierig wenn solche harten Spellen gibt.
00:18:30: deshalb sollte man hier drüber nachdenken vielleicht eine etwas kontinuierlichere weniger sprunghafte Bonuskurve zu nehmen weil das würde diesen Verzerrungsanreiz zumindest teilweise verringern.
00:18:42: Ein fünfter und auch sehr oft in der Praxis unterschätzter Punkt ist die Transparenz der Zielsetzung selbst.
00:18:48: Also so lange eine Bonusformel wie diese sixty-prozent, siebensechzig, fünf Prozent, siebzig Prozent Staffel nur intern zirkuliert und erst über Umwege öffentlich wird, fehlt der Korrektormechanismus ja den offenen Kritik von außen hier auch leisten könnte.
00:19:05: Und genau dieser Mechanismus, probieren und die Mediadeaufmerksamkeit doch noch in Gang gekommen ist, ja ist sicherlich nicht falsch.
00:19:14: Da verringern wir die Wahrscheinlichkeit dass sich hier so bequeme Korridore unbemerkt einschleichen weil jede Zielmerke dann damit rechnen muss einfach hier auch hinterfragt zu werden öffentlich oder im zumindest unternehmensöffentlich.
00:19:29: Und noch ein sechster Punkt, der auf den ersten Blick wenig mit Vergütung zu tun hat.
00:19:34: Wer wie die Bahn einen Vergütungssystem an eine öffentlich wahrgenommene Leistung wie Pünktigkeit koppelt soll auch die operative Handlungsfähigkeit der Verantwortlichen mittenken weil ein Bonus, der von der Infrastrukturqualität, der Fahrzeugverfügbarkeit oder der Baustellenplanung abhängt also Dinge auf die selbst der Vorstand nur begrenzt zumindest kurz und mittelfristig begrenzen deren Einfluss hat, bestraft am Ende Faktoren die außerhalb der eigentlichen Kontrolle liegen.
00:20:03: Und auch darüber sollten wir uns bewusst sein wenn wir über solche Anreizsysteme nachdenken dass wir klar trennen zwischen dem was eine Führungskraft oder Mitarbeiter tatsächlich beeinflussen kann und dem was strukturell einfach vorgegeben ist und hier von einzelnen Personen nicht beeinflusst werden kann.
00:20:22: Ja, dieser Fall mit den Bahnbonee.
00:20:24: Was macht ihn so lehrreich?
00:20:25: Er zeigt wie viel das Scheitern von Anreizsystemen mit dem Systemdesign zu tun hat.
00:20:30: Niemand muss unredlich sein damit ein Bonusystem am Ende die falschen Dinge belohnt.
00:20:36: Es reicht völlig dass die Definitionsmacht über die Kennzahl bei denen liegt deren Vergütung von ihr abhängt.
00:20:42: und also ist eine ganz ganz wichtige Erkenntnis des heutigen Tages eine Zielzahl ist immer nur so ehrlich wie ihre Definition und darüber sollte man sich wirklich intensiv Gedanken machen.
00:20:53: wer Bonillauszahlt ohne die Messmethode gegen die Optimierungsintelligenz der Betroffenen abzusichern, der bezahlt am Ende nicht für Leistung sondern für die Kunst ziele klug zu verhandeln und Kennzahlen klug definieren.
00:21:06: Und das gilt für die Deutsche Bahn genauso wie für jedes andere Unternehmen für jede Führungskraft mit variabler Vergütungen das glaubt mit einer einzigen Kennzahl die Komplexität der Realität einfangen zu können.
00:21:22: Ja, wenn dir diese Perspektive geholfen und gefallen hat dann abonnier gern den Kanal damit du keine Folge verpasst hier bei RUMO IncendiMOS wo wir uns genauer mit dem Thema Anreizen beschäftigen und damit verschiedene politische und wirtschaftliche Sachverhalte erklären.
00:21:40: Bis zum nächsten Mal!
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